DEAD.EARTH — Die Welt
Der Setting-Band: ein zerbrochenes Wien, sein Umland und die Goldene Stadt Prag.
Wien ist nicht gefallen. Wien liegt im Sterben — und betet dabei zu allem, was noch zuhört.
Dieser Band ist zum Lesen, nicht zum Nachschlagen: die Chronik des Untergangs, die Fraktionen und Kulte, die Orte der Macht und des Verfalls. Die Regeln stehen im Band Die Regeln, die Gegner im Bestiarium.
Playtest 0.4 · Stand 2026-09-04 — Arbeitsfassung. Rückmeldungen willkommen: mail@dead-earth.com · © 2026 Peter Schuster, 1130 Wien.
Einleitung — DEAD.EARTH
Ein Rollenspiel in den Ruinen Wiens.
Willkommen in der Asche
Europa ist tot.
Die alten Nationen sind Staub, ihre Grenzen verbrannt, ihre Städte überwuchert von Pilz, Rost und Glauben. Und doch leben in den Ruinen noch Menschen — Überlebende, Mutanten, Suchende, Wahnsinnige. Sie alle kämpfen darum, das letzte Licht der Zivilisation am Brennen zu halten. Oder es endgültig zu löschen.
Dies ist die Welt von DEAD.EARTH: ein verwesendes Wien im Schatten des Falls, wo verstrahlte Bestien durch die Höfe streifen, alte Maschinen im Dunkeln erwachen, vergessene Götter neue Priester finden — und Legionen aus keiner Zeit durch den Riss marschieren.
Deine Aufgabe: überleben. Deine Belohnung: ein weiterer Sonnenaufgang.
Über dieses Spiel
DEAD.EARTH folgt einer old-school Haltung — gefährlich, direkt, tödlich. Deine Werte sind klein, deine Chancen gering, und dein Mut ist alles, was zählt. Heldentum ist keine Gabe, sondern eine Entscheidung, die du triffst, wenn schon alles verloren ist.
Die Regeln sind bewusst schlank gehalten, damit Erzählen, Erkunden und Improvisieren im Vordergrund stehen. Ob du durch verseuchte Ruinen schleichst, mit mutierten Räubern verhandelst oder einen uralten Panzer zum Leben erweckst — deine Entscheidungen schreiben die Geschichte. Meist ist es eine kurze.
Die sieben Archetypen
Jeder Archetyp verkörpert eine Art, in dieser Welt zu überleben. Alle sind gefährlich, unvollkommen und von den Jahren des Verfalls gezeichnet.
⚔️ Krieger
Der Überlebende mit der Klinge, der sich mit blankem Stahl oder rostigem Gewehr durch die Welt schlägt. Krieger stehen an der Front, schützen die Schwachen — oder führen ihre eigenen Clans. Kraft und Entschlossenheit sind ihre Währung.
🐾 Späher
Schattengänger, Pfadfinder, Plünderer. Sie kennen die Ruinen, die Wege durch die Donauauen und die Geräusche, die bedeuten, dass etwas im Dunkeln jagt. Sie überleben, weil sie zuerst sehen, was andere übersehen.
🛡️ Hüter
Wächter der alten Welt. Manche folgen den Kirchen Wiens, andere verehren Maschinen oder Naturgeister. Ein Hüter ist Priester, Arzt und Richter zugleich — oft der Einzige, der noch Ordnung in den Wahnsinn bringt.
🔧 Tüftler
Kinder des Rosts. Mechaniker, Bastler, Erfinder. Sie wissen, dass Technik nur vergessene Magie ist. Ein Tüftler baut eine Pistole aus Schrott oder erweckt eine tote Drohne — wenn er lange genug lebt, bis sie läuft.
☠️ Hexer
Wandler zwischen Wissenschaft und Wahn. Manche zapfen psionische Energien an, andere machen die Mutation selbst zur Quelle ihrer Macht. Gefürchtet, verachtet, unersetzlich. Die Risse zwischen den Zeiten flüstern zu ihnen — und sie flüstern zurück.
🧬 Virologe
Erben der alten Ärzte, die glaubten, sie könnten die Seuche verstehen. Heute sind sie Alchemisten der Fäulnis: sie brauen Gifte, Heilmittel, Stimulanzien und Viren, die Leben retten oder auslöschen. Viele tragen die Krankheit in sich — als Fluch und als Werkzeug.
💀 Berserker
Vom Zorn geboren, von Strahlung gezeichnet. Sie leben nur für den Kampf. Ob durch Drogen, Mutation oder pure Raserei — ein Berserker kennt keine Angst, kein Mitleid, kein Zögern. Wenn er fällt, nimmt er viele mit.
Waffen, Werkzeuge, Wunder
Alles, was je existierte, kann wiedergefunden werden: ein rostiges Sturmgewehr, ein Schwert aus Autostahl, eine Faust aus einem alten Exoskelett, ein Flammenwerfer aus Benzin und Hoffnung. Die Welt ist ein Friedhof der Technik — wer gräbt, findet.
Doch Macht hat ihren Preis. Jede Waffe kann versagen, jede Rüstung zerfällt, jede Technologie zieht jene an, die sie begehren. Und in Wien ist Besitz nie sicher — nur geliehen, bis dir jemand Stärkeres begegnet.
Wien — Herz der Toten Erde
Inmitten des zerbrochenen Kontinents liegt Wien, eine Stadt zwischen Leben und Tod. - Zone C, der Kern, beherrscht vom Rat der Überlebenden. - Zone B, der Gürtel, ein Schlachtfeld der Clans, Kirchen und Mutanten. - Zone A, der Osten, ein Rissgebiet, wo die Zeit selbst zerfließt und die Legionen marschieren.
Hier beginnt deine Geschichte. Hier kämpfst du. Hier stirbst du vielleicht. Oder du wirst zu etwas Neuem — und wünschst dir, du wärst gestorben.
Willkommen in DEAD.EARTH.
Vorgeschichte — Wie das Ende nach Wien kam
Niemand kann sagen, wann genau die Welt aufhörte. Es gab kein einzelnes Ende. Es gab nur eine lange Reihe von Toren, die sich öffneten und nie wieder schlossen.
Der lange Krieg im Osten
Seit den späten 2020er-Jahren fraß ein Krieg sich durch den Osten Europas — erst Grenzscharmützel, dann Fronten, die sich Jahr für Jahr wie Wundbrand nach Westen zogen. Paramilitärs, zerfallende Staaten — und in ihrem Rücken das Bündnis, die Koalition des Ostens, die nach Westen drängte. Man las davon in Wien wie von schlechtem Wetter über einem fernen Land. Das Wetter kam näher.
Als die Generäle aufhörten zu zählen
Als die Vorräte versiegten, taten die Kommandeure, was lange undenkbar gewesen war. Erst Giftgas. Dann Bioviren, die man „präzise” nannte — Waffen, um Armeen zu schwächen, nicht um Völker auszulöschen. Dann Atomfeuer. Kiew, Charkiw, Odessa, halb Polen: Namen, die heute nur noch Krater sind. Europa selbst wurde zum Schlachtfeld, und die Flüchtlingsströme trugen die Seuchen weiter als jede Rakete.
Wien am Rand des Feuers
Wien lag im äußeren Ring des Bombengürtels — kein Ziel, aber auch nicht verschont. Mehrere Sprengköpfe detonierten östlich der Stadt; die Druckwellen zerschlugen ganze Bezirke, und radioaktive Wolken fraßen sich über die Donau in Grundwasser und Böden. Die Stadt starb nicht mit einem Schlag. Sie begann zu verwesen, langsam, bei lebendigem Leibe. Strom, Ordnung, Recht — alles flackerte aus wie eine Kerze im Zugwind.
Das Fleisch beginnt zu lügen
Die „präzisen” Genwaffen hielten sich an keine Zusagen. Sie mutierten, sprangen auf Tiere über, machten Menschen zu Wirten. Krankheiten liefen schneller als jede Quarantäne. Ganze Straßenzüge starben — und andere erhoben sich wieder, hungrig und leer. Und dann, womit niemand gerechnet hatte: Manche Überlebende veränderten sich. Feuer aus bloßen Händen. Gedanken, die durch Mauern gingen. Stimmen in der Strahlung, die manche wie eine zweite Haut zu spüren begannen. Für die einen war es Mutation. Für die anderen Gotteslästerung. Für wenige der Beginn eines neuen Zeitalters. Der Streit darüber tötet in Wien bis heute mehr Menschen als jede Kugel.
Der Riss
Kurz nach dem Feuer — als Waffenexperimente, Strahlung und Dinge, die niemand hätte anrühren dürfen, die Wirklichkeit dünn scheuerten — zerriss etwas, das nicht dafür gemacht war zu zerreißen: der Riss. Kein Bruch in Zeit und Raum, wie die Gelehrten anfangs hofften. Ein Tor zur Hölle. Durch ihn kommen die Dämonen — was Wien „die Legionen” nennt — und weil die Hölle außerhalb der Zeit liegt, speit sie die Verdammten aller Zeitalter aus: antike Formationen neben Dingen, die es nie gegeben hat, Banner aus keiner Geschichte. Die Priester am Steffl nennen es das Gericht — und diesmal haben sie recht, und das macht es nur schlimmer. Mehr dazu in Der Ostkrieg und der Riss.
Zeitleiste (SL-Referenz) - späte 2020er: Krieg im Osten eskaliert. - frühe 2030er: ABC-Waffen im Großeinsatz; Ostmetropolen fallen. - 2030er: Seuchen, Strahlung, Flüchtlingswellen erreichen Mitteleuropa. - Der Schlag: Sprengköpfe östlich Wiens; Zerfall der staatlichen Ordnung. - Danach: Mutation & Gaben treten auf; die Infizierten erheben sich. - Der Riss: das Höllentor öffnet sich — kurz nach dem Feuer — und schließt sich nicht. Dämonen treten durch; der Höllenhauch bringt die Gaben. - Heute: Wien ist keine Hauptstadt mehr. Wien ist eine Grenzstadt zwischen Überleben und Verdammnis.
Der Ostkrieg und der Riss
Zwei Wunden brachten das Ende. Die erste schlugen Menschen. Die zweite kam kurz darauf — und sie war nicht von dieser Welt.
Das Bündnis — wer den Krieg begann
Der Ostkrieg war Menschenwerk. Im Osten schlossen sich Mächte zu einem Bündnis zusammen — eine Koalition aus Staaten, Armeen und Ideologien, die nach Westen drängte, als Ressourcen und Ordnung zerfielen. Das Bündnis warf die ersten Bomben; der Westen warf zurück. So starb die alte Welt: von Menschenhand, aus Menschengründen — Gier, Angst, Hunger.
Niemand im Westen weiß mehr genau, wer im Bündnis wen führte. „Das Bündnis” ist der Name, den die Überlebenden dem gaben, was aus dem Osten kam. Ein Gesicht hat es nie gehabt.
Der Riss — das Höllentor
Der Krieg war nur die erste Wunde. Kurz nach dem Feuer — als Strahlung, Genwaffen und Experimente an Dingen, die niemand hätte anrühren dürfen, die Wirklichkeit dünn scheuerten — riss sie. Nicht zu einer anderen Zeit. Nicht zu einem anderen Ort. Zur Hölle.
Der Riss ist ein Tor. Dahinter warten sie, und durch ihn kommen sie: Dämonen. Was die Überlebenden „die Legionen” nennen, sind die Heerscharen der Hölle. Und weil die Hölle außerhalb der Zeit liegt, speit sie die Verdammten aller Zeitalter aus — Panzer neben Speerträgern, Banner aus keiner Geschichte, Rüstungen, die es nie gab, neben solchen, die längst zu Staub sein sollten. Ein Albtraum aus jedem Jahrhundert, unter einer einzigen, hungrigen Fahne.
Der Höllenhauch — warum die Gaben
Mit den Dämonen sickert etwas Feineres durch den Riss: der Hauch der Hölle. Er berührt die Lebenden, und manche wandeln sich im Geist statt im Fleisch. Das ist die Quelle der Gaben, der Psi-Kräfte, der Gezeichneten — nicht Segen, nicht Evolution, sondern Korruption. Wer Macht aus dem Riss zieht, zieht die Hölle ein Stück näher und trägt ihr Mal (Regeln: Gaben & Narben).
Zwei Ursprünge, zwei Sorten Grauen. Der Krieg schuf die Monster des Fleisches — Strahlung, Genwaffen und Seuchen machten die Infizierten, die Assimilanten, die Kinder der Zweiten Geburt. Der Riss schuf die Schrecken des Geistes und der Seele — die Legionen, die Gaben, die Verdammnis. Wien liegt zwischen beiden.
Der Feind dahinter
Die Legionen sind nicht wahllos. Etwas lenkt sie — ein Wille auf der anderen Seite, der den Riss weitet, Nacht um Nacht. Niemand hat ihn gesehen und ist zurückgekommen. Die Priester nennen ihn den Widersacher; die Bleichen nennen ihn den Architekten; die Gelehrten messen nur, dass der Riss wächst. Wer immer dort auf dem Thron sitzt: Er hat Geduld — denn er kommt von jenseits der Zeit, und die Zeit arbeitet für ihn.
Wie es die Welt prägt
- Apokalypse Gottes hat recht — und das macht sie nur schlimmer. Es sind Dämonen. Es ist ein Gericht. Also brennen die Gezeichneten am Stephansplatz.
- Kinder des Lichts verehren den Hauch als göttliche Wandlung; andere Sekten beten den Riss und seine Legionen offen an.
- Prag hat das Ungeheuerlichste getan: ein Höllentor gebändigt und daraus Macht gezogen — und zahlt dafür einen Preis, den die goldene Stadt sich nicht einzugestehen wagt (Prag — Die Goldene Stadt).
Wie Wien im Schatten versank
Kurzfassung des Settings — der Kastentext, der neuen Spielern in fünf Minuten den Boden unter den Füßen wegzieht.
Zuerst war es nur Krieg. Ein weiterer, fern im Osten, wo Grenzen seit jeher brennen. Niemand in Wien glaubte, dass er je die Donau erreichen würde. Doch die Front kroch näher, Jahr um Jahr, und verschlang ganze Länder auf dem Weg.
Als die Ressourcen versiegten, entschieden die Generäle, was lange undenkbar war: Gas, dann Viren, dann Atomfeuer. Städte verglühten. Landstriche wurden zu Ödland. Europa selbst wurde zum Schlachtfeld — und Wien lag am Rand des Bombengürtels. Kein Ziel. Aber auch nicht sicher.
Mehrere Sprengköpfe detonierten östlich der Stadt. Die Druckwellen zerschmetterten die Bezirke, radioaktive Wolken fraßen sich über die Donau, verseuchten Wasser und Erde. Doch das war nicht das Ende. Es war nur die erste Tür.
Die Genwaffen — angeblich „präzise” — mutierten unkontrolliert. Tiere wurden zu Trägern, Menschen zu Wirten. Ganze Straßenzüge starben. Andere erhoben sich als Infizierte, hungrig und leer, und trugen die Seuche weiter durch die Nacht.
Und dann geschah, womit niemand rechnete: Manche Überlebende veränderten sich.
- Einige entwickelten Kräfte, die wie Zauberei wirken — Feuer aus bloßen Händen, Gedanken, die durch Mauern gehen.
- Andere hören Stimmen und fühlen die Strahlung wie eine zweite Haut.
- Für die einen ist es Mutation. Für die anderen Gotteslästerung. Für wenige ein neues Zeitalter.
Und über allem klafft der Riss — ein Bruch in der Welt, durch den Legionen aus keiner Zeit in die Ruinen sickern. Manche bekämpfen sie. Manche beten sie an.
Die Stadt zerfiel in Zonen:
- Das Zentrum, halb bewohnbar, regiert von Milizen, Klerikern und Banden.
- Die Ränder, ein Flickenteppich aus Ruinen, verseuchten Straßen und improvisierten Festungen.
- Der Bombengürtel, eine Hölle aus Kratern, Asche und strahlender Wildnis.
Innerhalb weniger Jahre hörte Wien auf, eine Hauptstadt zu sein. Es wurde zur Grenzstadt zwischen Überleben und Untergang. Strom flackert nur noch in Teilen. Sauberes Wasser ist kostbarer als Gold. Und jede Nacht füllen neue Schreie die Ruinen.
Die Welt draußen? Niemand weiß, wie viel von Europa noch steht. Manche sagen, Deutschland sei ein einziger verstrahlter Krater. Andere schwören, im Balkan seien Königreiche der Mutanten entstanden.
Nur eines ist sicher: Wien lebt — oder stirbt — in seinem eigenen Schatten.
Setting — Überblick & Zeitleiste
Die kanonische Chronik, wie es so weit kam.
Zeitrahmen: Das „Jetzt” liegt um ~2045 (der Fall: ~2038). Die 2040er sind Kanon.
Vor dem Fall (ca. 2020–2030)
Spannungen im Osten Europas: politische Krisen, Ressourcenknappheit, Grenzkonflikte. Ein Kalter Krieg 2.0 aus Aufrüstung, Stellvertreterkriegen und Propaganda. Europa spaltet sich, Bündnisse zerbrechen, jeder Staat sucht verzweifelt nach eigener Macht. Man sah es kommen. Man tat nichts.
Der Große Krieg (2031–2037)
- 2031: Offener Krieg im Osten — Ukraine, Balkan, Schwarzmeerraum. Millionen fliehen nach Westen.
- 2033: Chemische Kampfstoffe an den Fronten. Offiziell bestritten, längst dokumentiert.
- 2035: Die ersten biologischen Waffen. Gerüchte über „intelligente Viren”, die gezielt Bevölkerungsgruppen brechen sollen.
- 2037: Die Front kriecht an Mitteleuropa heran. Wien wird zum Zufluchtsort — überfüllt, hungrig, instabil.
Das Jahr des Feuers (2038)
- Mai: Atomschläge auf Kiew, Warschau, Bukarest. Gegenschläge folgen. Wien liegt außerhalb der direkten Einschläge, aber im Radius der Verwüstung.
- Juni: Mehrere Detonationen östlich der Stadt zerreißen Industrie und Vororte. Teile Wiens brechen zusammen, das Donauufer verstrahlt.
- August: Die Versorgungsketten kollabieren. Plünderung, Aufstand, Kriegsrecht.
- Dezember: Das Stromnetz fällt. Wien liegt im Dunkel — und im Dunkel bleibt es.
Die Zeit der Seuchen (2039–2042)
- 2039: Mutierte Viren durch Tiere, Wasser, Menschen. Die ersten Berichte über „lebende Tote”.
- 2040: Das Massaker im 3. Bezirk — eine Quarantänezone bricht zusammen. Tausende sterben oder wandeln sich.
- 2041: Die Flüchtlingsströme versiegen. Wien ist isoliert, nur wenige Wege nach außen bleiben begehbar.
- 2042: Die Gezeichneten treten hervor — Menschen mit unerklärlichen Kräften. Und irgendwo in diesen Jahren reißt der Himmel: der Riss öffnet sich, und die ersten Legionen sickern durch. Man jagt die Gezeichneten, fürchtet sie, betet sie an.
Das Jetzt (ca. 2045)
Wien ist dreigeteilt: - Innenstadt — Sitz von Restmiliz und Kulten. Halbwegs bewohnbar, brutal kontrolliert. - Mittelgürtel — Ruinen voller Plünderer, Mutanten und Überlebender. - Bombengürtel — Todeszone aus Kratern, Strahlung und Seuche.
Strom gibt es nur in improvisierten Inselnetzen, Wasser ist knapp, Nahrung überlebenswichtig. Fraktionen, Kulte und Warlords kämpfen um jeden Block, jeden Brunnen, jede Waffe.
Europa außerhalb Wiens? Nur Gerüchte. Manche sagen, Berlin sei ein leuchtender Krater. Andere schwören, Prag sei eine „goldene Stadt” unter Psioniker-Herrschaft. Vielleicht stehen im Süden noch Staaten. Vielleicht auch nicht.
Die Lage in Wien und den Vorbezirken
Wien ist keine Stadt mehr. Es ist eine Front mit Straßennamen.
4.1 Geografie & Verteidigungslinien
Die Donau — die erste Linie. Fast alle Brücken sind gesprengt. Nur wenige Übergänge stehen noch, jeder unter dem Gewehr des Militärs oder eines Clans. Die Ostseite — Transdanubien, der 21. und 22. Bezirk — ist weitgehend aufgegeben: Seuchengebiet, Mutationsland, Niemandsufer. Wer hinüber will, zahlt oder stirbt, meist beides.
Der Donaukanal — die zweite Linie. Die Grenze zwischen Kernstadt und unsicherem Gürtel. Ständig patrouilliert, schwer befestigt, mit Scheinwerfern, die nachts über das schwarze Wasser streichen. Hinter dem Kanal endet die Fiktion der Ordnung.
Die drei Zonen: - 🟥 Zone A (Osten: Donaustadt, Floridsdorf) — verseuchtes Niemandsland. Heimat von Mutanten, verstrahlten Tieren und Banden, die keine Gefangenen machen. - 🟨 Zone B (zwischen Donau und Donaukanal) — teilweise kontrolliert, umkämpft. Brennpunkt zwischen Regierung, Clans und Milizen; die Frontlinie verschiebt sich mit jeder Nacht. - 🟩 Zone C (Kernstadt, westlich des Kanals) — Sitz der „Regierung”, militärisch gesichert. Und trotzdem: überbevölkert, ausgehungert, zerfressen von Machtkämpfen. Der letzte sichere Ort ist nur der, an dem man langsamer stirbt.
4.2 Regierung & Machtstruktur
Der Rat von Wien residiert in der Hofburg und den Ministeriumsruinen des 1. Bezirks — die Reste der alten Regierung, Militärführer und Kirchenvertreter an einem Tisch, an dem längst niemand mehr die Wahrheit sagt. - Einfluss: reicht nur bis an die Grenzen von Zone C. - Aufgaben: Rationen verteilen, Ordnung erzwingen, Propaganda senden. - Schwäche: ohne die Milizen und Banden, die es verachtet, wäre der Rat in einer Woche Geschichte.
4.3 Fraktionen & Machtzentren
Clans & Milizen. Viele formieren sich entlang alter Herkunftslinien (türkisch, balkanisch, kaukasisch) und bewaffnen sich aus Museen — allen voran dem Heeresgeschichtlichen Museum — und geplünderten Kasernen. Sie halten ganze Straßenzüge und Bezirke: Favoriten, Simmering, Ottakring. In ihren Vierteln gilt ihr Wort, ihr Zoll, ihr Galgen.
Die Flaktürme. Augarten, Esterházypark, Arenbergpark: Betonkolosse aus einem früheren Krieg, ausgebaut zu Bunkern und Festungen. Jeder ist von einer mächtigen Gruppe besetzt und praktisch nicht zu nehmen. Wer einen Flakturm hält, hält ein Stück Ewigkeit aus Stahlbeton.
Kirchen & Kulte. Stephansdom, Karlskirche, Votivkirche — religiöse Machtzentren, in denen der Weihrauch den Verwesungsgeruch nicht mehr überdeckt. Sekten nutzen das Chaos: Manche verehren den Riss, andere die Legionen, die aus ihm treten, als göttliche Zeichen.
Die Legionen. Sie tauchen sporadisch über Risse auf — an der Donauinsel, im Arsenal, in alten Tunneln. Antike und futuristische Formationen, die es nie gemeinsam gab, marschieren nebeneinander unter Bannern aus keiner Geschichte. Sie werden teils bekämpft, teils angebetet. Beides endet selten gut.
4.4 Versorgung & Alltag
- Nahrung: Der Rat verteilt Rationen — knapp, ungerecht, mit Bevorzugung. Der Rest kommt vom Schwarzmarkt und den Schmugglern aus dem Marchfeld und dem Wienerwald.
- Wasser: Die alten Leitungen sind unzuverlässig und oft verseucht. Die Brunnen im Wienerwald und den Donauauen sind lebenswichtig — und heftig umkämpft.
- Technik: Strom nur aus improvisierten Generatoren. Im Einsatz sind alte Waffen aus Museen und Militaria; funktionierende moderne Geräte sind selten und kostbar.
- Medizin: Bittere Knappheit. Vieles ist improvisiert — Kräuter, alte Vorräte, Verzweiflung. Psioniker und „Magier” bieten alternative Heilungen an, doch wer sie annimmt, gilt vielen schon als halb verloren.
Fraktionen in Wien und im Umland
In Wien fragt man nicht zuerst, wer du bist. Man fragt, woran du glaubst — denn daran erkennt man, wie du tötest. Jede Macht in dieser Stadt hat ihr Credo darüber, was das Ende bedeutet. Die Credos sind unvereinbar. Deshalb brennt es.
Die Bastionen der Menschlichkeit
Credo: Überleben ist das einzig Heilige. Jede intakte Mauer ist ein Gebet gegen die Finsternis. Sitz: das Alte AKH, seine Innenhöfe mit Planen überspannt. Stärke: ca. 10.000–15.000 Überlebende in drei Bastionen.
Entstanden aus Notunterkünften in Schulen, Spitälern und Kellern. Sie nennen sich „die Bastionen”, weil jedes Gebäude, das noch steht, wie eine Festung gegen Hunger, Kälte und Wahnsinn wirkt. Strom kommt aus röchelnden Generatoren, Wasser aus gefiltertem Grundwasser. Ihre Menschen sind einfache Leute — Sanitäter, Mütter, Handwerker, gebrochene Idealisten, die immer noch Verbände wechseln, während draußen die Welt verwest. Sie sind das Nächste zur Hoffnung, das Wien noch hat. Es ist nicht viel, und es wird jede Nacht weniger.
Apokalypse Gottes
Credo: Das Ende ist Gottes Gericht. Wien ist das neue Jerusalem. Das Antlitz des Sünders muss verborgen bleiben — und der Gezeichnete muss brennen. Sitz: der Stephansdom und einige weitere Kirchen. Stärke: ca. 1.500 Fanatiker, davon 400 bewaffnete „Templer”.
Nach dem Zusammenbruch übernahmen fanatische Priester die Kanzeln der Stadt. Ihre Gläubigen tragen Masken aus Metall, damit das Gesicht des Sünders vor Gott verborgen bleibt. Sie verkünden die Apokalypse als Willen des Herrn und sich selbst als seine Klinge. Nachts gehen Gerüchte von „Reinigungen” um: Menschen, die zu Mutanten erklärt und auf den Plätzen verbrannt werden, während Litaneien durch die Ruinen hallen. Wer eine Gabe trägt, betet, dass die Templer ihn nicht zuerst finden.
Rat von Wien
Credo: Ordnung um jeden Preis. Der Staat darf nicht sterben — auch wenn das Volk es tut. Sitz: die Hofburg, die Fenster mit Sandsäcken verbarrikadiert. Stärke: ca. 1.200 Soldaten, 400 Zivilisten.
Der Rest von Militär und Polizei — kaum ein Dutzend Fahrzeuge, ein paar Funkgeräte und eine zerfallene Befehlskette. Generaloberst Koller spricht von „Ordnung”, während seine Männer um jede Konservendose kämpfen. Eine paranoide, militarisierte Gemeinschaft, halb Armee, halb Sekte, die ihre Herrschaft über Zone C mit Rationen, Propaganda und Erschießungen aufrechterhält. Sie klammert sich an die Formen einer Regierung, die es nicht mehr gibt, wie ein Ertrinkender an ein morsches Brett.
Freiheitliche Brigaden
Credo: Kein Herr, kein Gott, kein Staat. Rette, was zu retten ist — und verbrenne den Rest. Sitz: die U-Bahn-Schächte unter der Stadt. Stärke: geschätzt 800–1.200 Mitglieder.
Eine Bewegung ohne Zentrum. Ihre Anführer sind Stimmen im Radio, Übertragungen aus toten Studios — vielleicht Menschen, vielleicht nur Mythen. Die Brigaden bekämpfen jede Form von Autorität und retten, was sie können: Kinder, Flüchtlinge, Bücher. Manche sagen, sie seien nur noch ein paar Dutzend. Andere schwören, jeder zweite Überlebende in Wien arbeite heimlich für sie. Beides zu glauben ist gefährlich. Beides ist wahr.
Die Eisenhändler
Credo: Eisen ist Leben. Der Starke schmiedet, der Schwache ist Schrott. Sitz: die Gasometer, wo alte Turbinen noch Strom spucken. Stärke: ca. 1.000–1.500 Personen.
Entstanden aus Schrottsammlern und alten Werkstätten. Ihre Welt ist Metall, Schweißfunken und Benzin — sie reparieren Waffen, bauen Fallen, handeln mit allem, was schießt oder rollt. Viele basteln an primitiven Exosuits aus Schrott und Hydraulik, die klappern wie sterbende Maschinen. Ihre Anführer regieren nach dem Gesetz des Stärkeren. In den Gasometern gibt es kein Recht außer dem, das man sich selbst schmiedet.
Die Kinder des Lichts
Credo: Die Strahlung ist der Atem Gottes, der den neuen Menschen formt. Fürchtet euch nicht vor der Wandlung — kniet in ihr nieder. Sitz: die Ruinen der ehemaligen UNO-City. Stärke: unbekannt.
Man trifft sie selten — bleiche, vermummte Gestalten, die lichtscheu durch die Trümmer schleichen, mit seltsam ruhigen Stimmen. Viele sind tatsächlich mutiert: blass, dünnhäutig, verändert. Sie beten die Verseuchung an, die sie zeichnet. Gerüchte sprechen von einer leuchtenden Quelle tief unter der Donau, zu der sie hinabsteigen — und von der nicht alle zurückkehren, die aber alle verändert.
Der Orden der Scherben
Credo: Wissen ist die einzige Waffe gegen das Chaos. Auch wenn es die Seele kostet — die Seele ist ein Luxus, den das Ende sich nicht leistet. Sitz: die Katakomben unter dem 1. Bezirk. Stärke: ca. 400–600 Überlebende.
Eine Splittergruppe aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Studenten, zurückgezogen in die Gänge unter der alten Stadt. Alte Server, Roboterreste und defekte Drohnen füllen ihre Hallen; sie experimentieren mit Energiezellen, Genproben und KI-Fragmenten. Mit jedem Durchbruch treiben sie ihre eigene Menschlichkeit ein Stück weiter von sich. Sie sind die Einzigen, die den Riss zu messen wagen — und einige von ihnen haben aufgehört, dabei zu blinzeln.
Die Rattenkönige
Credo: Die Oberfläche gehört den Sterbenden. Die Finsternis gehört uns. Sitz: die Kanäle unter dem Naschmarkt, wo Abwasser, Rauch und Stimmen ineinanderfließen. Stärke: unklar — vielleicht 1.000, vielleicht das Doppelte.
Sie herrschen über die Dunkelheit unter der Stadt. Ein König? Manche sagen, es sei eine Gestalt mit vielen Gesichtern, geboren aus dem Abfall der alten Welt. Ihre „Untertanen” sind Waisen, Diebe, Flüchtlinge und Wahnsinnige — und sie kennen jeden Tunnel, jeden Schacht, jeden Zugang unter Wien. Niemand betritt den Untergrund gegen ihren Willen und findet allein zurück.
Das Ottakringer Syndikat
Credo: Disziplin ist Gnade. Der Berg schützt die Seinen und zermahlt den Rest. Sitz: Schloss Wilhelminenberg, über dem, was einmal der 16. Bezirk war. Stärke: geschätzt 300–400 Mitglieder.
Nach außen gelten sie als „Plünderer” — in Wahrheit sind sie eine straff organisierte Miliz, die sich selbst „Hüter des Berges” nennt: Kämpfer, Mechaniker, Waffenschmiede und Zwangsarbeiter. Sie halten ihre Höhe durch eiserne Disziplin und brutale interne Kontrolle. Fremde und „Nutzlose” überleben hier nicht lange. Es ist eine der grausamsten Fraktionen der Stadt — und eine der wenigen, die noch funktioniert.
Die Kinder der Zweiten Geburt
Credo: „Wir sind das Fleisch nach dem Feuer. Wir sind das Denken nach dem Schmerz. Wir sind, was bleibt.” Sitz: der Tiergarten Schönbrunn. Stärke: 200–300 Individuen.
Im Schönbrunner Tiergarten verband sich nach den Bombardierungen Unvereinbares: mutierte Affen, gefangene Menschen, Strahlung, psionische Restenergie, Bioabfall — eine einzigartige genetische Kaskade. Die ersten „Kinder” entstanden aus instinktiven und erzwungenen Verbindungen; halb Mensch, halb Tier, überlebten sie durch rohe Kraft und aufblitzendes Bewusstsein. Heute haben sie Sprache, Hierarchie und Glauben. Sie halten sich für die wahren Erben der neugeborenen Welt. Gerüchte sagen, sie wachsen schneller als Menschen — ein Jahr, und ein Kind ist erwachsen.
Die Ocaleni — „die Otschalenins”
Credo: Wir haben ertragen, woran der Westen zerbrochen wäre. Das Gift ist unser Geburtsrecht. Sitz: das alte Heerespital in Stammersdorf, jenseits der Donau. Stärke: unbekannt, vermutlich 400–800.
Ein Sammelsurium von Menschen, die vor dem Krieg aus dem Osten nach Westen flohen — und statt Aufnahme nur die gesprengten Donaubrücken vorfanden. In Wien nennt man sie abfällig „die Verstrahlten vom Osten”, „die Roten Schatten”, „die, die nicht wissen, wann sie tot sind”. Den Fraktionen westlich der Donau sind sie mit wenigen Ausnahmen feindlich gesinnt. In Jahren im verseuchten Gebiet haben sie eine eigene Bio-Alchemie entwickelt — improvisierte Wissenschaft, Aberglaube und Mutation in einem. Gerüchten zufolge können sie der Strahlung trotzen.
[SL-Geheimnis: Warum die Ocaleni das Ödland überleben, bleibt vorerst der Spielleitung vorbehalten.]
50 Orte der Macht und des Verfalls
Eine Missionsdatenbank für DEAD.EARTH: Wien — real verankert, aber offen für alles zwischen Survival-Horror, Plünderung und Fraktionspolitik. Jeder Ort ist ein Rachen. Manche geben etwas zurück.
| Nr. | Ort | Beschreibung / Aufhänger | Ziel / Beute | PLZ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Hofburg | Endloses Gängewirr, Archive, Geheimgänge; wer sich verirrt, hört die alten Akten flüstern. | Alte Regierungsakten, Zugangscodes zu Bunkern, versiegelte Tresore. | 1010 |
| 2 | Rathaus | Technomönche regieren im Takt eines alten Reaktors, der unter dem Boden schlägt. | Energiezellen, stabile Stromquelle, Blaupausen für Reaktorwartung. | 1010 |
| 3 | Stephansdom | Katakomben voll Knochen und Reliquien. Oben predigen die Masken, unten warten die Toten. | Heilige Symbole mit Schutzwirkung, Reliquien, Weihwasser gegen Mutanten. | 1010 |
| 4 | Schloss Schönbrunn | Überwucherte Pracht, ein Bunker unter den Beeten — Nistgrund der Zweiten Geburt. | Saatgut, Tierpräparate, konservierte DNA-Proben. | 1130 |
| 5 | Parlament | Ein Gericht der Mutanten hält Hof zwischen Machtartefakten und Fässern mit Giftgas. | Alte Waffenkammer, Stimmschlüssel, chemische Kampfstoffe. | 1010 |
| 6 | AKH (Allgemeines Krankenhaus) | Endlose OP-Säle, verstrahlte Flure, Kerzenlicht auf blutigen Fliesen — Herz der Bastionen. | Antibiotika, Verbandsmaterial, chirurgische Instrumente. | 1090 |
| 7 | Technisches Museum | Maschinenhallen, in denen vergessene Roboter im Dunkeln die Augen öffnen. | Ersatzteile, Drohnenkerne, Baupläne alter Generatoren. | 1140 |
| 8 | Naturhistorisches Museum | Fossilien in den Sälen, schlafende Viren in den Laboren des Kellers. | Gentechnische Proben, uralte Viren, Konservierungstechnologien. | 1010 |
| 9 | Kunsthistorisches Museum | Hologramme und Fallen bewachen Gold in Sälen, die niemand mehr betreten sollte. | Antike Kunstobjekte, Goldrahmen, Projektionskristalle. | 1010 |
| 10 | Nationalbibliothek | Ein Bücherlabyrinth, das nach Sporen riecht und Wissen frisst wie Schimmel. | Alte Karten, Wissen über Medizin, verschollene Archive. | 1010 |
| 11 | Kanalnetz der Inneren Stadt | Untergrundgesellschaft der Ausgestoßenen; wer hier atmet, atmet für die Rattenkönige. | Geheime Zugänge, Nahrungsvorräte, Kontakte zu Schmugglern. | 1010 |
| 12 | U-Bahnstation Karlsplatz | Der Kult des „Schienenheiligen” betet zu Zügen, die nie wieder fahren. | Mechanische Ersatzteile, alte Energiezellen, Artefakt-Idole. | 1040 |
| 13 | U-Bahnstation Stephansplatz | Eingestürzte Tunnel, Geräusche aus der Tiefe, ein versiegelter Bunker darunter. | Zugang zu tieferem Bunker, rare Elektronik, Datenchips. | 1010 |
| 14 | Atomschutzbunker unter dem Gürtel | Die KI „EVA” hält ein totes System am Leben — und lässt niemanden gehen. | Funktionierende Lebenserhaltung, KI-Kern, Reinraumtechnik. | 1050 |
| 15 | Gasometer-Katakomben | Tanks voll toxischer Dämpfe unter der Festung der Eisenhändler. | Treibstoffreste, seltene Chemikalien, Schutzmasken. | 1110 |
| 16 | Abwasserschleusen Simmering | Eine Kolonie mutierter Pflanzen frisst sich durch den Beton. | Heilpflanzen, mutierte Organismen, Bioproben. | 1110 |
| 17 | Vergessenes U-Bahn-Depot | Reich der Rattenkönige; niemand betritt es ohne Zoll, niemand geht ohne Erlaubnis. | Munition, Benzin, Werkzeuge, Handelskontakte. | 1100 |
| 18 | Kellergewölbe Museumsquartier | Eine Kunstkultstätte der Wahnsinnigen, erleuchtet von Drogenrausch. | Drogen, Antiquitäten, Währung für Schwarzmarkt. | 1070 |
| 19 | Bunkerklinik Favoriten | Eine alte Forschungseinrichtung, deren Prototypen noch in den Tanks zucken. | Biotech-Ausrüstung, Laborgeräte, Prototypen. | 1100 |
| 20 | Donaukanal-Tunnel | Schmugglerbasis in halb versunkenen Kammern, wo das Wasser bis zur Brust steht. | Schmuggelware, Waffen, Zugang zu Wasserwegen. | 1020 |
| 21 | Universität Wien | Lebende Bücher und Automaten-Professoren dozieren vor leeren, verstaubten Bänken. | Wissen über Vorzeit, Lehrmodule, Sprachchips. | 1010 |
| 22 | TU Wien | Roboter-Patrouillen bewachen verlassene Labore nach Regeln, die keiner mehr kennt. | Werkzeugsets, Mikrochips, Energiekerne. | 1040 |
| 23 | Arsenal Wien | Militärlager mit autonomen Drohnen — und einem Riss, aus dem manchmal etwas tritt. | Munition, Waffen, Panzerteile. | 1030 |
| 24 | Chemiefabrik Lobau | Verstrahltes Areal, in dem eine falsche Bewegung alles in Flammen setzt. | Lösungsmittel, Sprengstoffe, Chemikalien für Medizin. | 1220 |
| 25 | Energiezentrale Spittelau | Ein brennender Komplex, in dem etwas haust, das aus dem Feuer geboren wurde. | Energiequelle, Reaktorkristalle, hitzebeständige Anzüge. | 1090 |
| 26 | Fernheizwerk Leopoldau | Immer noch warm. Niemand weiß, warum. Niemand bleibt lange genug, es zu erfahren. | Wärmeenergiequelle, Turbinen, Ersatzteile. | 1210 |
| 27 | Gaswerk Simmering | Tanks, in denen Feuergeister schlummern und auf einen Funken warten. | Kompressionsgas, Energiezellen, riskante Magiequelle. | 1110 |
| 28 | ÖBB-Zentralwerkstätte | Schrottsammler flicken tote Loks zusammen, die niemals wieder rollen werden. | Ersatzteile, Motoren, Metallvorräte. | 1100 |
| 29 | Flughafen Schwechat | Ein Geister-Terminal, patrouilliert von Drohnen ohne Herren. | Flugtechnik, Kommunikationsgeräte, Treibstoff. | 1300 |
| 30 | Sewagram Einkaufszentrum | Eine überflutete Mall, umkämpft von Fraktionen bis zum letzten Regal. | Vorräte, Batterien, Kleidung, Elektronik. | 1110 |
| 31 | Prater / Riesenrad | Ein Vergnügungspark als Ruinenstadt; das Riesenrad ein Grabkreuz gegen den Himmel. | Mechanikteile, Generatoren, Benzin. | 1020 |
| 32 | Stadthalle | Eine KI-Diva singt in Endlosschleife für ein Publikum aus Staub. | Audiochips, Elektronik, funktionierende Lautsprecher. | 1150 |
| 33 | Naschmarkt | Der schwarze Basar unter den Ruinen — und ein Tor hinab zu den Rattenkönigen. | Nahrungsmittel, Gewürze, seltene Waren. | 1060 |
| 34 | Augartenbunker | Brutstätte eines Mutantenstammes im Betonleib eines Flakturms. | Mutantenproben, Biotrophen, medizinische DNA-Proben. | 1020 |
| 35 | Hotel Imperial | Eine Luxusruine, bewohnt von Wahnsinnigen in verblichener Pracht. | Schmuck, Antiquitäten, wertvolle Stoffe. | 1010 |
| 36 | Musikverein / Goldener Saal | Resonanzräume mit hypnotischer Akustik, die den Verstand langsam aushöhlt. | Resonanzkristalle, Artefakte mit Schallkraft. | 1010 |
| 37 | Zentralfriedhof | Endlose Krypten, wandelnde Tote, ein Meer aus Grabsteinen bis zum Horizont. | Reliquien, Totems, seltene Mineralien. | 1110 |
| 38 | Hochhausruinen Matzleinsdorf | Nistplätze für Parasiten und Räuber, Stockwerk um Stockwerk in die Höhe. | Baumaterial, Kabel, Überlebensausrüstung. | 1050 |
| 39 | Gasthaus „Zum letzten Walzer” | Ein zeitverzerrter Ort, an dem die Musik nie ganz verstummt. | Alkohol, alte Aufzeichnungen, Artefakte aus der Vorkriegszeit. | 1070 |
| 40 | Hundertwasserhaus | Überwuchert von Pflanzen, die zurückschauen, wenn man sie zu lange ansieht. | Heilkräuter, Drogen, lebende Samen. | 1030 |
| 41 | Donauturm | Ein Leuchtturm mit Strahlenkanone über dem toten Land. | Energiequelle, optische Linsen, Sensoren. | 1220 |
| 42 | Kahlenberg | Eine Radarstation empfängt fremde Signale — von wo, sagt niemand laut. | Funktechnik, Sender, Navigationsdaten. | 1190 |
| 43 | Hauptbahnhof | Geisterzüge rollen noch: leer, pünktlich, sinnlos. | Treibstoff, Ersatzteile, Waggons. | 1100 |
| 44 | Favoritner Friedhof | Ein Grabfeld, das sich in der Nacht bewegt, wenn niemand hinsieht. | Knochenstaub (Reagenz), geheime Krypten. | 1100 |
| 45 | Seestadt Aspern | Eine perfekt erhaltene Geisterstadt, in der alles funktioniert — außer den Menschen. | Baumaterial, funktionierende Stromspeicher. | 1220 |
| 46 | Lobau – Nationalpark | Ein übernatürliches Sumpfgebiet; die Auen atmen im Nebel. | Alchemistische Pflanzen, seltene Tiere. | 1220 |
| 47 | Raffinerie Simmering | Feuer und Nebel, so weit das Auge reicht, und darunter etwas, das brennt und lebt. | Treibstoff, Schmieröl, brennbare Kristalle. | 1110 |
| 48 | Otto-Wagner-Spital (Steinhof) | Eine verlassene Psychiatrie; die Stimmen kommen aus den Wänden. | Medikamente, Sedativa, geheime Patientendaten. | 1140 |
| 49 | Stift Klosterneuburg | Eine hermetisch abgeriegelte Festung des Glaubens, die keinen einlässt. | Wein, Vorräte, geheime Artefakte. | 3400 |
| 50 | Donauinsel | Bei Nacht eine Zwischenwelt, in der der Riss die Ränder der Wirklichkeit ausfranst. | Spirituelle Energie, Leuchtmoos, seltene Fische. | 1220 |
Die Lage in Österreich
Das Land hat aufgehört zu existieren. Geblieben sind Täler, Festungen und Menschen, die so tun, als gäbe es noch ein Österreich, das sie vertreten könnten.
Der Staat. Praktisch zerfallen. Nur die „Stadtregierung von Wien” behauptet noch, die Republik zu vertreten — eine Fiktion, an die selbst ihre Verkünder nicht mehr glauben. Vom Bundesheer sind Reste in Bunkern übrig, dazu versprengte Garnisonen im Alpenraum, die auf Befehle warten, die nie mehr kommen.
Die Alpen. Kleine Gemeinden überleben durch Landwirtschaft und den Rückzug in abgelegene Bergtäler. Burgen, Klöster und alte Stollen sind die neuen Machtzentren — Glaube und Fels, wo der Beton der Ebenen längst versagt hat. Wer hinaufsteigt, wird beobachtet, lange bevor er die erste Mauer sieht.
Niederösterreich & Marchfeld. Das Flachland östlich Wiens ist stark verseucht, doch stellenweise noch zu bestellen. Dorfgemeinschaften bilden Milizen gegen verseuchte Tiere und Banden. Schlösser wie Schloss Hof und Marchegg sind zu Festungen geworden, gehalten von Bauern mit Jagdgewehren und der Verzweiflung derer, die nirgends sonst hinkönnen.
Der Westen (Wienerwald & angrenzend). Rückzugsort für Gezeichnete, Rebellen und Gesetzlose. Kleine Siedlungen versorgen sich autark mit Wasser und Holz — und fragen keinen Fremden nach seinem Namen, solange er die Hände sehen lässt.
Die Lage in Europa
Was jenseits der Donau liegt, weiß niemand mehr genau. Alles, was von Europa erzählt wird, ist zweite Hand, dritte Hand — oder Lüge.
Osteuropa. Großflächig unbewohnbar: Seuche, Strahlung, verbrannte Erde. Überrannt von Mutanten, verseuchten Tieren und den Legionen. Die alten Frontlinien sind Niemandsland, in dem nach all den Jahren immer noch etwas marschiert.
Mitteleuropa. Ein Flickenteppich aus Stadtstaaten, Militärfürstentümern und Clans. Von den alten Nationalstaaten ist nur noch lokal etwas übrig, ein Wappen hier, ein Amtssiegel dort. Die Verkehrswege sind zerstört; Handel läuft nur über Schmuggler und schwer bewachte Militärautobahnen, auf denen der Zoll in Blut bezahlt wird.
Westeuropa. Besser erhalten, aber hermetisch abgeschottet. Frankreich, Spanien, Britannien ziehen sich hinter Befestigungen zurück und lassen die Zugbrücken oben. Eine „Exil-NATO” soll existieren — doch ihr Arm reicht kaum nach Osten, und in Wien hat sie noch nie jemand gesehen.
Skandinavien & die Schweiz. Relativ stabil, autark, verriegelt. Gerüchte sprechen von den Resten einer „neuen Ordnung” hinter ihren Grenzen. Wer anklopft, kommt nicht wieder — oder kommt gar nicht erst hinein.
Der Mittelmeerraum. Beherrscht von Piraterie und Clans. Die Küstenstädte sind isoliert, der Seeverkehr auf ein Minimum erloschen. Wer eine seetüchtige Fähre besitzt, besitzt ein Königreich.
PRAG — Die Goldene Stadt
Zweite Location für DEAD.EARTH. Der Gegenpol zu Wien: wo Wien die Gezeichneten verbrennt, kniet Prag vor ihnen.
Grundwahrheit: Prag ist der eine Ort, der es geschafft zu haben scheint — sauber, beleuchtet, golden, geordnet. Und genau das ist das Grauen. Der Preis der Ordnung ist die Unterwerfung des Geistes. Prag ist kein Zufluchtsort. Prag ist ein goldener Käfig, gebaut über einer offenen Wunde.
Die Umkehrung (warum Prag der Gegenpol zu Wien ist)
| Wien | Prag | |
|---|---|---|
| Gaben / Mutation | Stigma — gejagt, verbrannt (Apokalypse Gottes) | Adel — die Gezeichneten herrschen |
| Ordnung | zerfallen, Warlords, Chaos | absolute Ordnung, eine Hierarchie |
| Grundton | Glaube gegen Verdammnis, Zerfall | serene Tyrannei, das Lächeln, das man nicht abnehmen darf |
| Kernspannung | Überleben im Chaos | Freiheit gegen die goldene Stille |
Ein Hexer, der Wiens Scheiterhaufen entkommt, hört von einer Stadt im Norden, wo seinesgleichen wie Heilige verehrt wird. Er reist hin. Er findet Frieden, Gold und Ordnung — und einen Käfig, dessen Gitter aus reiner Stille sind.
Vorgeschichte — Wie Prag golden wurde
Prag traf derselbe Krieg wie Wien: der Osten in Flammen, ABC-Waffen, der Zusammenbruch. Doch Prags Weg bog ab.
Als die Gaben erwachten, tat Prag nicht, was Wien tat. Es jagte die Gezeichneten nicht — es folgte ihnen. Die Stadt der Alchemisten und Sterndeuter hatte die Anomalien schon studiert, als anderswo noch die Bomben fielen. Und als tief unter dem Hradschin ein Riss aufbrach, flohen die mächtigsten Psioniker nicht und beteten ihn nicht blind an. Sie banden ihn.
Aus dieser Kette zogen sie ihre Macht. Sie wurden zu lebenden Heiligen und legten der Stadt eine Ordnung auf, wie sie kein Warlord je erzwingen könnte — die Ordnung des Geistes, von innen. Die geistblinden Massen, zu Tode erschöpft vom Chaos überall sonst, unterwarfen sich dankbar. Ordnung um jeden Preis. Jeden.
Der gebändigte Riss (das Geheimnis unter dem Gold)
Unter den tiefsten Krypten des Hradschin pulst der Riss in seiner Kette — ein Höllentor, gebändigt, nicht geschlossen. Aus ihm fließt die Macht der Psi-Lords — und mit ihr die Fäulnis, denn eine Höllenpforte lässt sich nicht anzapfen, ohne dass die Hölle zurückgreift.
Denn die Kette hält nicht umsonst. Sie kostet: - Die Golems — Prags beseelte Diener aus Lehm, Blech und Leichen — werden mit der Energie des Risses erweckt. - Die „Läuterungen” — was mit den Aufsässigen, den Geistblinden ohne Nutzen, den zu Lauten geschieht — speisen etwas. - Und der Riss gewinnt. Langsam. Golden. Die Psi-Lords brauchen immer tiefere „Kommunion”, um die Stille zu halten. Die Stadt verzehrt sich selbst, um golden zu bleiben.
Prag hat vielleicht eine Generation, bis die Kette reißt — oder die Herren zu etwas anderem werden. Niemand in der Goldenen Stadt spricht davon. Man darf nicht einmal daran denken.
Lage & Geografie
Die Moldau teilt die Stadt; die Karlsbrücke mit ihren steinernen Heiligen ist die Achse zwischen den Ufern (und ein Kontrollpunkt). Es gibt keine verseuchten Zonen wie in Wien — Prags Grenzen verlaufen entlang der Ordnung, nicht der Strahlung:
- 🟡 Die Krone (Hradschin & Kleinseite) — Sitz der Psi-Lords, golden, von schrecklicher Ruhe. Fremde werden selten eingelassen; unter der Burg schläft der Riss.
- ⚪ Die Goldene Stadt (Altstadt) — das geordnete Herz: die Astronomische Uhr, das Alchemisten-Viertel, die geleitete Bürgerschaft.
- 🔘 Die Geleiteten-Viertel (Ränder, Neustadt) — wo die Geistblinden arbeiten; engere Überwachung, leiser Widerstand.
- ⚫ Die Unterstadt — die Katakomben des alten Josefov, die Kanäle, das Verworfene. Hier verstecken sich die Unstillen — und hier sickert die Wahrheit über den Riss nach oben.
Anbindung an Wien (für Expeditionen)
Prag liegt rund 330 km nordwestlich von Wien — eine Landreise durch das böhmische Ödland (Legionen an den östlichen Rändern, Banditen, Strahlungsnester). Die Reise selbst ist eine Kampagne und trägt sich über euer Erkundungs-/Reise-Modul.
Zwischen den Städten herrscht kalter Krieg mit magnetischem Sog: - Apokalypse Gottes (Wien) sieht in Prag die höchste Blasphemie — eine Stadt, regiert von den Verdammten. Ein Kreuzzug wartet nur auf einen Funken. - Der Orden der Scherben (Wien) giert nach Prags Psi-Wissen und würde dafür töten. - Gezeichnete aller Art fliehen aus Wien nach Prag — ein Aderlass, den Wiens Mächtige fürchten. - Karawanen, Spione, Überläufer und Expeditionen ziehen die Straße hin und her.
Spielperspektive: Die Spieler betreten Prag als Außenseiter — Händler, Spione, Boten, Zuflucht Suchende. Fremde in der goldenen Stadt, die zu spät merken, dass die Stille ansteckend ist.
Fraktionen in Prag
In Wien fragt man, woran du glaubst. In Prag fragt niemand. Man weiß es bereits — und wenn man dein Denken nicht mag, wird es leise korrigiert.
Der Orden der Stillen Krone
Credo: Der Geist ist die letzte Ordnung. Unterwerfung ist Gnade. Wir halten das Loch geschlossen, damit ihr schlafen könnt. Sitz: Hradschin und Veitsdom; die tiefsten Krypten, wo der Riss in seiner Kette liegt. Stärke: wenige Dutzend Psi-Lords — doch jeder wiegt eine Armee.
Die lebenden Heiligen, die Prag regieren. Sie sprechen selten und schreien nie; ein Gedanke von ihnen genügt, um einen Menschen niederknien oder aufhören zu lassen zu atmen. Ihre Macht fließt aus dem gebändigten Riss, und mit jedem Jahr brauchen sie tiefere „Kommunion”, um die Ordnung zu halten. Sie glauben aufrichtig, die Menschheit vor dem Chaos zu retten. Das macht sie nicht gnädiger. Es macht sie unaufhaltsam.
Die Geleiteten
Credo: Ordnung ist Sicherheit. Der stille Frieden ist das Wunder. Denk nicht so laut. Sitz: die Altstadt und die Geleiteten-Viertel. Stärke: die geistblinde Bürgerschaft Prags — Zehntausende.
Die ungabte Mehrheit. Die meisten unterwerfen sich dankbar — nach den Schrecken der Welt draußen ist Prags goldene Stille ein Paradies, und der Preis (nicht zu laut zu denken, nicht zu fragen, wohin die Geläuterten gehen) scheint gering. Sie sind ordentlich, freundlich, sauber gekleidet, und ihr Lächeln erreicht nie ganz die Augen. Ein kleiner Teil von ihnen spürt den Käfig — und flüstert, wo kein Heiliger lauscht.
Die Lehmväter
Credo: Materie gehorcht dem Geist. Wir geben dem Lehm einen Willen und dem Riss eine Kette — und beten, dass beides hält. Sitz: das Alchemisten-Viertel (Goldenes Gässchen) und die Werkstätten unter der Burg. Stärke: ein paar hundert Handwerker-Gelehrte.
Die Kaste, die Prags Golems erschafft — beseelte Diener und Vollstrecker aus Lehm, Blech und, wenn nötig, aus Leichen — und die im Auftrag des Ordens den gebändigten Riss pflegt. Sie wissen mehr über die Wunde unter der Stadt als alle anderen, und deshalb fürchten sie sich am meisten. Manche Lehmväter arbeiten längst heimlich an einer Frage, die den Tod bedeutet, wenn ein Heiliger sie hört: Was, wenn die Kette reißt?
Die Unstillen
Credo: Lieber laut und frei als still und golden. Sitz: die Unterstadt — die Katakomben von Josefov, die Kanäle, das Verworfene. Stärke: unbekannt; Schmuggler, Ketzer, „zu Laute”, Überläufer.
Der Widerstand gegen die Herrschaft des Geistes. Menschen, die sich weigern zu knien — geistblinde Rebellen, geflohene Gezeichnete, die keinem Orden dienen wollen, Schmuggler, die Wahrheit und Waren durch die Stille tragen. Sie leben unter der goldenen Stadt, weil oben jeder laute Gedanke ein Todesurteil ist. Für Expeditionen aus Wien sind sie die ersten und oft einzigen Verbündeten.
Das Verworfene (Bedrohung, keine Fraktion)
Sitz: die tiefste Unterstadt, wo der Riss durch die Kette sickert. Stärke: unabsehbar.
Nicht alles, was geläutert wird, ist wirklich fort. Nicht jeder Golem gehorcht bis zuletzt. Und der Riss speit Dinge aus, die der Orden lieber verschweigt. In den untersten Gängen sammelt sich das Verworfene: fehlgeschlagene Golems, Riss-Berührte ohne Verstand, die „Ungemachten” — das, was unter dem Gold liegt und langsam nach oben drängt. Sie sind der Beweis, dass Prag nicht gerettet, sondern nur vertagt ist.
Schauplätze in Prag
Eine Missionsdatenbank für die Goldene Stadt. Wo Wiens Orte Rachen sind, sind Prags Orte Spiegel: schön, sauber — und wenn du zu lange hineinsiehst, sieht die Stille zurück.
Zonen: 🟡 Krone (Burgbezirk) · ⚪ Goldene Stadt (Altstadt) · 🔘 Geleitete (Ränder/Neustadt) · ⚫ Unterstadt.
| Nr. | Ort | Beschreibung / Aufhänger | Ziel / Beute | Zone |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Prager Burg (Hradschin) | Der Sitz der Stillen Krone. Unter den tiefsten Krypten liegt der Riss in seiner Kette — und flüstert. | Psi-Reliquien, Ordenswissen, der Weg hinab zum Riss. | 🟡 |
| 2 | Veitsdom (St. Vitus) | Die Thron-Kathedrale der Heiligen. Hier wird gekrönt und geläutert, unter Buntglas und Gedankengewicht. | Reliquien, Zeremonial-Ornat, gefährliche Zeugenschaft. | 🟡 |
| 3 | Karlsbrücke | Steinerne Heilige säumen den einzigen wahren Übergang. Kontrollpunkt bei Tag; bei Nacht flüstern die Statuen. | Passierscheine, Schmuggelrouten, Zollkontakte. | ⚪ |
| 4 | Altstädter Ring & Astronomische Uhr | Der Orloj tickt als Orakel des Ordens — und als Countdown, den keiner laut deutet. Hier finden die öffentlichen Läuterungen statt. | Uhr-Prophezeiungen, Wissen um den Countdown, Menge als Deckung. | ⚪ |
| 5 | Josefov (altes jüdisches Viertel) | Katakomben, in denen die Golem-Sage geboren wurde — heute ein Nest der Unstillen. | Golem-Baugeheimnisse, Verbündete, verbotene Bücher. | ⚫ |
| 6 | Goldenes Gässchen | Die Werkstätten der Lehmväter, wo aus Lehm und Riss-Energie Diener erwachen. | Golem-Teile, Alchemie, Riss-Studien. | 🟡 |
| 7 | Kleinseite (Malá Strana) | Das goldene Wohnviertel unter der Burg — schön, gepflegt und totenstill. | Luxus, Ordenskontakte, Geheimnisse hinter zugezogenen Vorhängen. | 🟡 |
| 8 | Wenzelsplatz | Der große geordnete Boulevard: Aufmärsche, Propaganda, öffentliche Läuterungen unter goldenen Fahnen. | Fraktions-Intel, Menschenmenge, ein schneller Fluchtweg. | 🔘 |
| 9 | Vyšehrad | Die alte Festung auf dem Fels — eine ältere Macht, älter als die Krone, voller Legenden und Krypten. | Alte Waffen, verborgene Grüfte, ein möglicher Bündnispartner. | 🔘 |
| 10 | Die Kanäle & Unterstadt | Reich der Unstillen — und des Verworfenen, das aus dem Riss nach oben drängt. | Sichere Wege, Schmuggelware, die Wahrheit unter dem Gold. | ⚫ |
| 11 | Strahov-Kloster & Bibliothek | Gehortetes Vorkriegswissen und alchemistische Folianten hinter verriegelten Toren. | Karten, Wissen, Theorie über den Riss. | 🔘 |
| 12 | Petřín-Hügel & Aussichtsturm | Ein Psi-Relais über der Stadt — das Auge des Ordens, das jeden lauten Gedanken peilt. | Überwachungstechnik, Signalzugang, ein lohnendes Sabotageziel. | 🔘 |
| 13 | Rudolfinum / Nationaltheater | Resonanzhallen, in denen die Heiligen „singen” — hypnotische Psi-Zeremonien, die den Verstand glätten. | Resonanz-Artefakte, Zutritt zu den Lords, Gefahr für den eigenen Geist. | ⚪ |
| 14 | Kampa & die Moldau-Inseln | Halb geflutete, liminale Ufer — Schmugglerbuchten, wo Boote und Geheimnisse anlegen. | Boote, Waren, ein Weg aus der Stadt hinaus. | ⚫ |
| 15 | Das Südtor (Straße nach Wien) | Kontrollposten und Karawanserei, wo Expeditionen ankommen und Überläufer zu fliehen versuchen. | Reisekontakte, Passierscheine, Nachschub für die Rückreise. | 🔘 |